Zugfahren in Indien

Das Zugsystem in Indien ist schon was besonders. Das Größte der Welt und transportiert jeden Tag rund 20 Millionen Menschen quer durch das Land, teilweise 3-4 Tage lang. Im Vergleich zum Rest des Landes scheint es aber noch halbwegs zu funktonieren.

Seine Tickets kann man sogar online buchen, wenn man die Widrigkeiten der Anmeldung umschifft hat und der Server nicht gerade überlastet oder ausgefallen ist (was leider oft der Fall ist). Ansonsten kann man sich auch am Bahnhof selbst um ein Ticket bemühen, was aber gute Kenntnisse der Züge und harte Ellbogen erfordert – Hunderte andere wollen es nämlich auch. Tickets kosten ab 2 €.

Die Züge folgen festen Fahrplänen, jedoch gibt es keine stündlichen Züge, sondern eher sehr individuelle Routen, die ein bis zweimal am Tag eine bestimmte Strecke abfahren. Bekommt man den Zug nicht, dann heißt es: neuer Versuch morgen. So wird Zugfahren zum Abenteuer.

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Das indische Zugsystem bietet die verschiedensten Klassen, dabei ist uns der „AC Chair“ noch am liebsten, weil er doch etwas Privatsphäre bietet.

Klasse Beschreibung
2nd Unreserved ‚Viehtransport‘, keine Reservierung, soviele Menschen, wie nur reinpassen (und ein paar mehr)
Sleeper (SL) ‚fan dorm‘, Schlafwagen mit 3 Etagen, nur Ventilatoren und offene, vergitterte Fenster
3 AC Auch nicht besser, nur mit Klimaanlage
2 AC 2. Klasse Schlafwagen, meistens von der Mittelklasse genutzt. Tagsüber werden die unteren Betten hochgeklappt, so dass man sitzen kann
1 AC 1. Klasse Schlafwagen mit 2×2 Betten, entspricht wohl am ehsten dem deutschen Schlafwagen. Seine Mitmenschen sollten man trotzdem lieb haben und ein eigenes Laken mitbringen
AC Chair Klimatisierte Sitze im Großraumwagen, ähnelt der 2. Klasse Deutsche Bahn, Qualitätsstufe ‚Ersatzzug‘

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Immerhin wird auf längeren Reisen eine kleine Mahlzeit in den oberen Klassen serviert, die fliegenden Tee- und Samosasverkäufer kommen dann an den Bahnhöfen dazu. Apropos Bahnhöfe: chaotisch, dreckig, aber im Vergleich zum Rest Indien noch annehmbar. Es gibt Essen und Getränke zu kaufen, elektronische Anzeigen, Kofferträger etc. Und wie bei uns auch kurzfristige Gleiswechsel und umgekehrte Wagenreihungen 🙂

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Die Züge fahren nur zwischen 30 und 50 km/h schnell, deshalb dauert auch eine Reise von 200km mal schnell 5-6 Stunden.

Apropos Reservierung: leider sind kurzfristige Reisen nicht so einfach. Die guten Züge (d.h. akzeptable Abfahrzeit früh morgens, Ankunft noch bei Tageslicht) sind Wochen im voraus ausgebucht. Und so landet man oftmals auf der Warteliste und hofft bis zur letzten Minute, dass man doch noch aufrückt. Am Bahnhof hängen dann Listen (wenn man sie denn findet), wer mitfahren darf und wer nicht. Oder man schaut im Internet nach (wenn der Server denn läuft).

Für Touristen gibt es dann noch eine Foreign Tourist Quota, über die man noch Last-Minute versuchen kann, einen Platz zu ergattern. Dies erfordert aber Geduld, viel Diskussion im Tourist Booking Office des Bahnhofs und den Nachweis, dass man auch wirklich ein ausländischer Tourist ist. Stellt man sich dann in ersten Schlange an, füllt einen Reservierungszettel aus, stellt sich damit in der nächsten Schlange an (besser Kugelschreiber mitbringen), wird nicht zurückgeschickt, weil etwas falsch ausgefüllt ist, dann kann man sich glücklich schätzen, wenn der Schalterbeamte einem das ersehnte Ticket mit einer abfälligen Handbewegung zukommen läßt.

Doch, Zugfahren in Indien ist ein Erlebnis, wenn auch nicht unbedingt eine Erholung. Wenigstens hat man Gelegenheit, mit den hier lebenden Indern (ab 2. Klasse mit der Mittelklasse) ins Gespräch zu kommen. So erfahren wir wenigstens:

  1. Auch Inder werden von Indern übers Ohr gehauen („you have to bargain hard“)
  2. Essen an Straßenständen ist nicht gesund, im Durchschnitt hatte jeder schon mal eine Lebensmittelvergiftung…
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One thought on “Zugfahren in Indien

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