Busfahren in Südamerika

Es wird Zeit, einmal der Tätigkeit Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, die uns in Südamerika sicher am meisten beschäftigt hat und noch beschäftigen wird: BUSFAHREN.

Der Bus ist der König der Transportmittel hier, kein anderes Verkehrsmittel kann ihm das Wasser reichen – auch das Auto nicht. Fluggesellschaften gibt es für die Größe des Kontinents nicht sehr viele und diese sind zudem einfach überteuert. Oder aber, wie aus Argentinien berichtet wurde, stehen Ausländern nicht die günstigen Tarife offen, sondern sie müssen auch noch eine Strafe zahlen, wenn sie „versehentlich“ einen argentinischen Tarif gebucht haben.

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Sowas kann einem beim Busfahren nicht passieren, aber dafür vieles andere: Zunächst bei allen Strecken von – sagen wir – über 6 Stunden (also alles über 200-300 Km ;-)) steht man vor der grundsätzlichen Entscheidung, ob man lieber tagsüber (sicherer, ggf. interessante Landschaft) oder nachts fährt (spart die Übernachtung).

Für Nachtbusse wird eine Menge Marketing gemacht: VIP, Executivo, Calidad, Cama-Sitz (Schlafsessel a la Business Class) – alles gern versprochen, aber nicht immer so ganz gehalten. Während es in Argentinien noch respektable Busgesellschaften gibt (Andesmar, Flecha – mit richtigen Essen), gibt es in Peru wohl nur eine größere Gesellschaft, die alle wichtigen Strecken bedient (Cruz del Sur) und in Bolivien herrscht sowieso Wildwest.

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Letztlich kann man auch Pech haben und das hatten wir auf unseren Fahrten öfter mal:

  • Der Vordermann baut sich einfach seinen Cama-Sitz selbst durch permanentes Zurückstellen des Sitzes über das vom Hersteller angedachte Maß hinaus
  • Calefacción(Heizung) besteht aus dicken, kratzigen Decken
  • Directo bedeutet oft, dass der Weg zwar der direkte ist, aber der Bus trotzdem dutzende Male anhält, um Fahrgäste (oder Cargo) einzusammeln und abzuladen. Diese zahlen interessanterweise nur einen Bruchteil des Fahrpreises.
  • Baño: Also die Bustoilette hatten – wie versprochen – dann doch wirklich bisher alle Busse. Ob diese dann benutzt werden kann, hängt zum Beispiel auch davon ab, ob der Weg durch Mitreisende (Backpacker) behindert wird, die sich den wohlverdienten (?) Schlaf im Gang zwischen den Sitzen holen. Durch das alleinige Vorhandensein eines Banos jedoch wird damit die berühmte und oft herbeigesehnte Pippipause auch mal ersatzlos gestrichen.
  • Straßensperren (zwingen zu Umwegen über Nebenpisten), Polizei- und Militärkontrollen (wecken einen mitten in der Nacht auf) und „Fruchtkontrollen“ (als würden wir Bananen schmuggeln) unterbrechen die Fahrt hin und wieder
  • Viele Busfahrten haben sich auch als Kaffeefahrten entpuppt. Eine Auswahl der Produkte und Dienstleistungen: Gefüllte Teigtaschen, Schweinefleisch (schön gewürzt), Maiskolben und allerei andere Snacks und Getränke. Wahrscheinlich sehen nur wir dies als Verkaufsfahrt an, da der Südamerikaner an sich seine Entscheidung für eine Fahrt erst kurzfristig trifft und deshalb auch keine Zeit mehr hat, Wasser und ein paar Kekse für eine 18-stündige Reise vorher zu besorgen.

Diese durchaus nützliche Aspekte der Kleinkämerei in Bussen werden auch durch andere Highlights getoppt:

  • lärmende Souvenirs
  • Interaktive Machu Picchu DVDs
  • Selbstgebrannter Schnapps

und unser persönlicher Favorit: Anti-Darmkrebs und Anti-Magenvergiftungstabletten, die nach einem einstündigen bebilderten Vortrag angeboten wurden, den wir erst für eine Aufklärungskampagne des Gesundheitsministeriums hielten.

Was macht der Südamerikaner denn nun beim Busfahren, wenn er nicht gerade schläft, Kinder macht (Wo hat Mr. Eric das beobachtet?) oder einkauft? Fernsehen – aber nie in den vielen Stunden haben wir jemanden lesen sehen. Die fliegenden Händler haben dies nicht im Angebot und in den Busterminals kann man auch keine Lektüre kaufen.

Busterminals im Übrigen sind auch noch mal eine ganz besondere Angelegenheit. Nur mal als Beispiel: In Arequipa sind wir von einer besorgten Polizistin in ein von ihr ausgewähltes und notiertes Taxi gesetzt worden, damit wir auch den gewünschten Zeilort erreichen und nicht Opfer von Expresskidnappings werden.

Nun könnt ihr vielleicht ein wenig nachvollziehen, wie sich Busfahren hier so anfühlt.

Wenn wir Lima erreicht haben, werden wir rund
6600 km (!) zurückgelegt haben (Ausflüge nicht mitgerechnet). Die Anzahl der Stunden lässt sich nicht mehr rekonstruieren, es werden sicher mehr als eine ganze Woche gewesen sein.

Doch seht selbst unseren Weg von Buenos Aires nach Lima:

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3 thoughts on “Busfahren in Südamerika

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